Geschichte

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching

Die Schriftführer der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching waren immer bemüht, die Protokolle der Versammlungen wahrheitsgetreu wiederzugeben, um sie der Nachwelt zu erhalten.

Besonders hervorgehoben werden, soll hier der Schriftführer Heinz Bauer, der in Zusammenarbeit mit unserem ehemaligen Kommandanten Franz Hutterer sen., eine fast lückenlose Chronik der Wehr seit 1870 bis 1995 aufgesetzt hat. Diese mühsame Detailarbeit beruht vor allem auf Übersetzungen von alten Protokollbüchern und Hinweisen aus dem Gemeindearchiv.

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Kommandanten

In der Zeit seit ihrer Gründung wird die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching durch die Führung ihrer Kommandanten geprägt. So sind auch die Namen der Kommandanten seit 1870 lückenlos bekannt, obwohl mit schriftlichen Aufzeichnungen durch die Feuerwehr erst 1912 begonnen wurde.

KommandantenAllen diesen leitenden Männern war und ist das Ziel der uneigennützigen Hilfe für den Nächsten als Grundlage und Ansporn für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit. Herausgehoben werden sollen hier die Kommandanten Oskar Putz, Franz Hutterer sen. und Josef Gmeinwieser.

Oskar Putz hat die Feuerwehr durch die Kriegsereignisse des 2. Weltkrieges geführt und den Neuaufbau nach Ende des Krieges geschafft.

Franz Hutterer sen. hat in seiner Kommandantenzeit die Wandlung der Freiwilligen Feuerwehr von einer dörflichen Feuerwehr hin zu einer hochtechnisierten und universell ausgebildeten schlagkräftigen Wehr verwirklicht und die Anpassung der Ausrüstung und Unterbringung der Wehr einschließlich des Baus der Feuerwehrhäuser entscheidend vorangetrieben.

Josef Gmeinwieser hat in seiner Amtszeit in der Gemeinde Unterhaching das Sachgebiet 14 (Feuerwehr) aufgebaut und verantwortete jenes von Beginn an als Sachgebietsleiter. Darüber hinaus war er immer wieder Vorreiter bei der Etablierung neuer Technologien, wie den Hilfeleistungslöschfahrzeugen und dem Wechselladerkonzept der Feuerwehr. Ebenfalls wurde unter ihm das First Responder System und eine eigene LKW-Fahrschule gegründet.

 

Vorstände

Wie auch bei den Kommandanten, gibt es seit Gründung der Unterhachinger Wehr, eine große Riege der Vorsitzenden. Anders als der Kommandant, der das Oberhaupt der Feuerwehr ist, steht der Vorsitzende an der Spitze des Feuerwehrvereins. VorständeEr hat keine Weisungsbefugnis im technischen Bereich der Feuerwehr, sondern ist für alle Belange des Vereins verantwortlich. Der Vorsitzende unterstützt den Kommandanten bei der Führung der Feuerwehr und stellt die Mitglieder für den aktiven Dienst. Die Verwaltung des Vereinsvermögens, Organisation von Veranstaltungen, Pflege der Kameradschaft sowie Traditionen und die Einberufung der Jahreshauptversammlung mit allen Mitgliedern gehören hierbei zu seinen Hauptaufgaben. Ihm sind in der Regel der stellvertretende Vorsitzende, die Kassiere und der Schriftführer unterstellt. Gemeinsam mit den Kommandanten bilden sie die Vorstandschaft der Feuerwehr.

Aus den Aufzeichnungen des Feuerwehrarchivs, geht zum ersten Mal im Jahr 1914 ein Vorsitzender hervor. Ob es schon zu einem früheren Zeitpunkt, diese oder eine ähnliche Position gegeben hat, ist unklar.

Zwischen 1935 und 1945, also zur Zeit des 3. Reiches, gab es bei der Feuerwehr Unterhaching keinen Vorsitzenden. Dies ist höchst wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die NSDAP das „Führerprinzip” propagierte, welches auch in jeder Feuerwehr umgesetzt werden musste. Die Feuerwehren wurden dabei in einer straffen reichseinheitlichen Organisation des „Feuerlöschwesens” in Deutschland zusammengefasst. Hierbei wurden ebenfalls die Feuerwehrvereine offiziell aufgelöst und die Aufgaben des Vorsitzenden übernahm der Kommandant. Die Ämter des Schriftführers und des Kassiers blieben jedoch bestehen.

 

  • Gründung

    1870 ist das Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching. Zu dieser Zeit ist Unterhaching ein bäuerlich geprägtes Dorf mit ca. 380 Einwohnern, vor den Toren der königlichen Haupt- und Residenzstadt München an der Straße nach Tegernsee. Es regiert der junge König Ludwig II. Damals tritt Bayern in den Krieg gegen Frankreich ein und man bezahlt mit Gulden.

    Unterhaching 1900Die Überlegungen, die unsere Vorfahren zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr veranlasst haben, sind nicht aufgezeichnet. Zwar ist ein allgemeiner Polizeierlass aus dem Jahre 1867 bekannt, der jeden Einwohner einer Gemeinde zur Hilfe im Brandfalle verpflichtete, jedoch kann diese Weisung nicht der alleinige Grund gewesen sein. Anzunehmen ist, dass die Erkenntnis der Notwendigkeit der gemeinschaftlichen organisierten Hilfe im Brandfalle und die einkehrende Aufgeschlossenheit für den Fortschritt, wesentliche Triebfedern waren.

    Zusätzlich zu der althergebrachten Beteiligung der Feuerwehr an kirchlichen und gemeindlichen Festen und der Unterstützung anderer Vereine bei ihren Veranstaltungen war und ist die Feuerwehr an vorderster Stelle bei der Verwirklichung des Gedankens der Völkerverständigung und Partnerschaft der Gemeinden tätig.

    Die entscheidende Zielsetzung der Gründungsmitglieder ist, jederzeit dem Nächsten in Not und Gefahr uneigennützig Hilfe zu leisten sowie Leben, Hab und Gut Anderer zu schützen.

    “Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!“

  • 1870 - 1901

    Die Brandgefahr in Unterhaching war wegen der noch vorherrschenden Holzbauweise sehr hoch. Die beiden Höfe an der Bürgermeister-Prenn-Straße und an der Hauptstraße lassen diese Bauweise noch erkennen. Ein Augenzeugenbericht ist noch über den Brand beim Hauserbauer (Anwesen an der Hauptstraße) im Jahr 1882 vorhanden.

    „Der letzte Brand, dessen Entstehung ebenso dunkel blieb, war der Größte und auch seinen Folgen nach der verheerendste, den ich je erlebt. Die ganze Burg war hölzern – ich glaube beinahe auch der Herd und Kamin – dazu die aufgespeicherten Futtervorräte, kurz alles brannte wie Zunder. Da der Brand kurz vor Mitternacht auskam, wo alles im tiefsten Schlaf lag, hatten die Bewohner Mühe, das nackte Leben zu retten. Von dem Mobiliar verbrannte so ziemlich alles, selbst das Vieh im Stall ging zu Grunde. Die im Rauch erstickten und von der Hitze aufgedunsenen Tiere waren gräulich anzuschauen. Es war eine Schreckensnacht, die man nie vergisst.“

    Dass die Feuerwehr zu dieser Zeit gegen den Brand eines Bauernhofes kaum etwas ausrichten konnte, zeigt sich offenkundig. Zwar waren bereits zwei mechanische Pumpen vorhanden, jedoch mussten diese von Hand bedient werden und durch eine Eimerkette mit Wasser versorgt werden.

    Wassernot für die Feuerwehr im eigentlichen Sinne bestand damals nicht, da der Hachinger Bach eine ausreichende Wasserführung aufwies und die Höfe nahe am Bach standen. Jedoch konnte erst mit einer 1890 beschafften Pumpe durch eine Ansaugleitung unmittelbar Wasser aus dem Bach entnommen werden. Die junge Feuerwehr war sicher einer harten Bewährungsprobe unterworfen, wenn man aus der Gemeindechronik die Brandfälle entnimmt, bei denen landwirtschaftliche Anwesen betroffen waren:

    • 1878 Rieplhof (Blitzschlag)
    • 1880-1883 Hof „beim Albrecht“, Hof „beim Hoisn“, Hauserbauerhof
    • 1887 Marmonhof
    • 1893 Köglhof
    • 1901 Utzhof

    HandpumpeBeim zuletzt genannten Brand musste von Hand mit wechselnder Besetzung durch die Feuerwehr und andere Helfer 2 Tage und Nächte gepumpt werden. Strapazen, die heute bei motorbetriebenen Pumpen mit einer Leistung von 1.600 – 3.000 Liter pro Minute nicht mehr vorstellbar sind. Die Pumpen wurden im Übrigen durch Pferde gezogenen. Im Feuerwehrhaus ist eine solche handbetriebene Pumpe als Schaustück aufgestellt.

    7 Jahre nach der Gründung der Feuerwehr entstand um 1877 das erste Spritzenhaus am Beiserhof (heute Anwesen Kastner, Ottobrunner Str. 9). Bereits 1898 wurde das Gerätehaus wegen der Anschaffung einer Schubleiter zu klein. Das neue Haus wurde an der Einmündung Kirchenstraße/Bürgermeister-Prenn-Straße errichtet. Die platzmäßige Erweiterung bot auch ideale Möglichkeiten für die Abhaltung der Übungen. Heute steht an der Stelle dieses Gerätehauses ein Kreuz. Das Gerätehaus wurde dann von der Kirchenstraße zum alten Rathaus Bürgermeister-Prenn-Str. / Kirchfeldstraße verlegt. Dort entstand auch der erste Schlauchturm zur Trocknung der Schläuche.

  • 1902 - 1949

    Die Mannschaft der Feuerwehr wurde in ihrer Frühzeit durch die ortsansässigen Landwirte gestellt. Die Ausbildung war nach militärischen Grundsätzen organisiert, die Übungen mit Handpumpen, Eimerketten und Schubleiter waren ein scharfes Geräteexerzieren mit militärischen Kommandos und gleichem Schritt und Tritt. Heute hat sich die Ausbildung der Feuerwehr von diesen Schulungsmethoden trotz der weiterhin erforderlichen und vorhandenen Disziplin weit entfernt. Eine erste wesentliche Änderung in den Übungen hat sich durch die Einführung der Motorspritze und dem damit verbundenen Beginn eines neuen “Feuerlösch – Zeitalters” gezeigt. So eine Robel-Motorspritze erhielt die Feuerwehr Unterhaching am 23.04.1935, damals hatte die Gemeinde ca. 4.000 Einwohner. Putz mit ChargenDie Übungen am Anfang des 20. Jahrhunderts und die Uniformierung würden heute als Erscheinung der “guten alten Zeit” – die eine solche nicht war – betrachtet werden. Uniformen mit blank geputzten Messingknöpfen, blitzende Messinghelme, der Kommandantenhelm mit dem bayerischen Löwen und dem roten Haarbusch. Zur Übung und zum Einsatz erfolgte das Signal des Hornisten, der Kommandant und seine Begleiter ritten bei festlichen Anlässen hoch zu Ross.

    Das Dritte Reich zog auch eine wesentliche Änderung für die Organisation der Feuerwehr nach sich. U.a. wurde der Kommandant nun “Oberbrandmeister”, nach 1938 “Obertruppführer”. Die französischen Chargenbezeichnungen, z.B. Adjutant, fielen weg. Die Versammlungen endeten mit 3-fachem “Sieg Heil auf Führer, Volk und Vaterland”. Das bittere Ende der Verblendung kam mit dem Übergreifen der Kriegshandlungen auf unsere Heimat. München wurde zerbombt. Unterhaching mit Brandbombenreihen belegt. Über Mangel an Beschäftigung konnte sich die Unterhachinger Wehr dabei kaum beklagen. Mit zwei primitiven Mannschaftsfahrzeugen Marke Dodge mussten altgediente Feuerwehrmänner und Buben dem Nächsten zu Hilfe eilen. Das Groß der Mannschaft bildeten in dieser Zeit 14 jährige Unterhachinger aus der Hitlerjugend. Genaue Angaben fehlen in dem Zeitraum 1942 bis 1946.

    LF 25Das Ende des 2. Weltkrieges war auch für die Feuerwehr ein Wendepunkt und Neuanfang. Hier kam der Wehr ein ungewöhnliches Ereignis zu Hilfe. Von Luftwaffenangehörigen des Militärflugplatzes Neubiberg wurde am 28. oder 29 April 1945 ein dort stationiertes Löschfahrzeug LF 25 zur Flucht benutzt und in Unterhaching zurückgelassen. Die Kameraden Thomas Huber und Josef Prenn jun. ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen und schleppten in der Ausgehzeit von 11 – 13 Uhr am 2. Mai das Löschfahrzeug in eine Scheune. Die komplette Ausrüstung, damals auf dem neuesten Stand, wurde im gemeindlichen Wasserwerk versteckt. Dieses Feuerwehrauto, das uns später von vielen Seiten missgönnt wurde, war der Grundstock für die moderne Ausrüstung in den Nachkriegsjahren. Das gekaperte Fahrzeug ersparte der Gemeinde auf Jahre hinaus wirklich große Ausgaben für das Feuerlöschwesen. Das LF hat treue Dienste bis 1967 getan.

  • 1950 - 1970

    Die Nachkriegszeit war geprägt von den Problemen der wirtschaftlichen Wiederherstellung und der Notwendigkeit der Schaffung von Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge und Heimatvertriebene. So wuchs die Ursprungsgemeinde Unterhaching bis 1955 bereits auf 10.785 Einwohner an. Zu diesem Zeitpunkt wurde jedoch der Ortsteil Ottobrunn abgetrennt und zu einer selbständigen Gemeinde erhoben. Dadurch reduzierte sich die Einwohnerzahl Unterhachings auf 4.970 Bewohner. 

    Dank des bereits erwähnten Löschfahrzeugs LF 25 war die Ausstattung der Feuerwehr zu dieser Zeit ausreichend gesichert. Mit dem Umbau eines ehemaligen Kinderheims zum neuen Rathaus an der Ottobrunner Straße (heute Polizeiinspektion 35, Ottobrunner Straße 7) im Jahr 1963, war auch ein erneuter Umzug der Feuerwehr verbunden. An das Rathaus wurde das Feuerwehrgerätehaus mit zwei Fahrzeugstandplätzen und einem Schlauchtrockenturm angebaut. Ferner war ein Vereinsraum für die Feuerwehr gesichert.

    Das Jahr 1964 wird der Feuerwehr als das Jahr mit dem bisher letzten Großbrand eines Bauernhofes im Gemeindegebiet in Erinnerung bleiben. Am 13.12.64 gegen 21.30 Uhr brach im Anwesen des Glonner Bauern (Huber) an der Bürgermeister-Prenn-Straße ein durch Brandstiftung verursachter Brand der Scheune und des Stalles aus. Mit Unterstützung der Nachbarwehren und der Fliegerhorstfeuerwehr konnte das Wohnhaus und die Nebengebäude erhalten werden und auch der Viehbestand (26 Tiere) nahezu vollständig gerettet werden. Dass eine solche Rettung des Viehbestandes einen erheblichen persönlichen Mut der Feuerwehrmänner erforderte, wird klar, wenn man bedenkt, dass es sich um ausgewachsene Bullen handelte, die wegen des Rauches und des Feuerscheines in großer Unruhe waren.

    Der Fahrzeugbestand der Wehr konnte 1965 durch ein neues Löschfahrzeug LF 16 ergänzt werden, das als Neuerung auch mit einem Tank von 800 Liter Löschwasser ausgerüstet war. Ferner wurde ein gebrauchter VW-Bus erworben und für den Transport von Mannschaft und Gerät umgerüstet.

    Durch die Entscheidung des Gemeinderates zum Neubau der Großsiedlungen Fasanenpark und Grünau wurde die Gemeinde-Entwicklungen eingeleitet. Diese ließ nicht nur die Bevölkerungszahl emporschnellen, sondern verschob auch die Gewichtung innerhalb des Gemeindegebietes nachhaltig. Wies die Gemeinde 1965 noch 6.089 Einwohner auf, so war Ende 1968 die Einwohnerzahl bereits auf 13.250 Einwohner angewachsen und damit innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt worden. Der aufgezeigte Einwohnerzuwachs hatte seine Auswirkung auch auf die Zusammensetzung der Feuerwehr-Mitglieder. War ursprünglich die Mehrheit der Mitglieder im Bereich des Dorfes ansässig, so konnten mit dem Bezug der neuen Siedlungen junge leistungsfähige Männer zum Dienst in der Wehr hinzugewonnen werden.

    Für die Freiwillige Feuerwehr bedeutete dies eine wesentliche Mehrung ihrer Aufgaben und auch die Verlagerung der Einsätze. So waren mit dem Neubau der Siedlungen eine konzentrierte Ansammlung von Wohngebäuden mit mehrgeschossiger Bauweise entstanden. Zusätzlich waren durch große Tiefgaragen neue Gefahren erkennbar. Dieser Aufbruch in einen neuen Abschnitt der Gemeindegeschichte wurde auch bei der Feuerwehr deutlich. Fahrzeuge 19701968 wurde der Fahrzeugbestand durch ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 mit einem Tankinhalt von 2.400 Liter und einer Kraftfahrdrehleiter DL 30 mit einer Steighöhe von 30 m, einem Rettungskorb und Wendestrahlrohr, sowie durch 2 weitere VW-Busse ergänzt. Gleichzeitig wurde der Neubau eines zweiten Feuerwehrgerätehauses an der Münchner Straße vorangetrieben (heute Rettungswache des BRK). Rechtzeitig zum 100-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr im Mai 1970 wurde die neue Wache an der Münchner Straße fertiggestellt und an die Wehr übergeben. Die Aufteilung auf zwei Gerätehäuser gewährleistete unter Berücksichtigung der Gemeindestruktur (Großsiedlungen in Norden und Süden) und der bestehenden Trennung durch die Bahnlinie eine bestmögliche Vorsorge.

    Bald zeigte sich, dass unter der tatkräftigen Leitung des Kommandanten Franz Hutterer sen. das neue Feuerwehrgerätehaus ein Konzentrationspunkt sowohl für die Dienstleistung im Ernstfall und bei Übungen, als auch für den Verein wurde. War für den Dienst durch die neue Gerätehalle, die Fahrzeugpflegehalle und den Schulungsraum vorgesorgt, so war das im Keller untergebrachte Floriansstüberl der Sammelpunkt für die geselligen Aktivitäten der Feuerwehrmitglieder. Dieses Stüberl entstand durch tatkräftige Mithilfe der Feuerwehrmänner aus einem verwahrlosten Kartoffelkeller des ehemaligen Schwesternheimes und wurde zu einem liebevoll ausgestattetem Kellerlokal für die Vereinsmitglieder. Die dort gefeierten bestandenen Leistungsprüfungen, Faschingskehraus und Geburtstage waren legendär. Das Floriansstüberl besteht noch heute und kann zu festlichen Anlässen gemietet werden. 

    Das 100-jährige Gründungsfest der Feuerwehr Unterhaching wurde am Wochenende von 22. Mai bis 24. Mai 1970 unter Mitwirkung von mehr als 50 Vereinen und einer begeisterten Beteiligung der Bevölkerung gefeiert. Im Jubiläumsjahr 1970 leisteten bereits 70 aktive Feuerwehrmänner ihren Dienst.

  • 1971 - 1984

    Die Einsatzzahlen der Feuerwehr steigerten sich von Jahr zu Jahr, jedoch verminderte sich durch eine entscheidende technische Neuerung, die öffentliche Aufmerksamkeit für die Tätigkeit der Feuerwehr. Erfolgte in der Zeit bis 1938 die Alarmierung der Einsatzkräfte durch das Läuten der Kirchenglocken und ab 1938 dann durch Sirenengeheul unter gleichzeitiger Kenntnisnahme aller Bewohner, so wurde es um die Einsätze der Feuerwehr mit der Funkalarmierung “still”. Durch die Ausrüstung mit Funkalarmempfängern erreichte der Alarm nunmehr nur den Feuerwehrmann selbst und gleichzeitig war wegen der Reichweite der Funkalarmierung und der Selektierungsmöglichkeit eine Vergrößerung der Alarmsicherheit und sinnvolle Aufteilung der Einsatzkräfte möglich.

    Unterhaching war aufgrund der Einflugschneise des Militärflugplatzes Neubiberg im Mittelpunkt der Gemeinde nahezu ohne Bebauung und durch auseinanderdriftende Ortsteile geprägt. Der Gemeinderat Unterhaching verstand es, durch eine intensive Planung die Weichen zu einem Zusammenwachsen der Gemeinde zu stellen. Durch die ab 1972 betriebene Ortsplanung wurde deutlich, dass dies nur durch die Schaffung eines neuen Ortszentrums an der Schnittstelle zwischen der S-Bahnlinie und der Bundesstraße Münchner- / Hauptstraße realisiert werden konnte. Gleichzeitig verdeutlichten sich die Anzeichen dafür, dass der beschrankte Bahnübergang an der Münchner- / Hauptstraße mit seiner Sperrwirkung durch eine Straßenunterführung ersetzt werden würde. Diese Überlegungen waren gleichzeitig das Startsignal für die Planung eines zukunftssicheren neuen Standortes der Feuerwehr.

    Im Rahmen der Flächennutzungsplanung der Gemeinde wurde der neue Standort an der Ostseite der geplanten Ortsmitte an der Biberger Straße und der Einmündung des neuen Straßenzugs des Ortszentrums (heute Leipziger Straße) definiert. Unter intensiver Mitwirkung der Feuerwehr wurde die Planung und Baudurchführung für das neue großzügige Feuerwehrhaus so vorangetrieben, dass am 26. Juni 1983 das neue Haus übergeben werden konnte. Für das Gebäude, das mit einer Halle für zehn Fahrzeuge, einer Waschhalle, einer Werkstatt, einem Lehrsaal, Schulungsräumen, einem Feuerwehrstüberl, zwei Wohnungen und Räumen für die Partnerschaft ausgestattet ist, wurden Baukosten in Höhe von 6,3 Mio. DM aufgewendet. Die Gebäude enthalten eine Nutzfläche von ca. 2300 qm. Für die Betreuung von Gerätschaften und Gebäude wurden zwei hauptamtliche Mitarbeiter eingestellt.

    Zirkus FlorianIn der Zeit seit 1970 hat sich bei der Arbeit der Feuerwehr eine deutliche Verlagerung von der Feuerbekämpfung hin zur technischen Hilfeleistung in allen Variationen entwickelt. Dieser Aufgabenkreis reicht von der Hilfe bei Verkehrsunfällen bis hin zu Wasserrohrbrüchen oder Aufzugsstörungen. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung wurde 1971 ein Gerätewagen Opel – Blitz und 1975 ein voll ausgestatteter Rüstwagen RW 2 mit Seilwinde, Rettungsspreizer und vielfältigen technischen Hilfsgeräten in den Dienst gestellt. Zusätzlich wurde die technische Ausrüstung durch einen Anhänger für Ölschäden und einen selbst ausgebauten Anhänger für Tiefbauunfälle (Ladung: Schalmaterial, Abstützungen, Werkzeuge) ergänzt. Dieser im Landkreis einmalige Anhänger wurde von den Feuerwehrleuten wegen seines Aufbaus (Tiefladeanhänger mit Plane) liebevoll „Zirkus Florian” genannt.

    Auch bei der Brandbekämpfung wurde in der Zeit seit 1970 ein deutlicher Wandel sichtbar. Während ursprünglich Brände hauptsächlich durch Löschangriffe von außen angegangen wurden, ist nun das Vorgehen mit gezielten Innenangriffen unabdingbar. Man denke nur an die nun vermehrt anfallenden Wohnungsbrände, Brände in Tiefgaragen, etc.. Die Bewältigung solcher Einsatzsituationen ist nur mit einer gut ausgebildeten Mannschaft möglich, die mit umluftunabhängigen Atemschutzgeräten ausgestattet ist. Es wurde daher die Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern intensiv durch die Bestellung eines eigenen Ausbilders vorangetrieben. 

    JugendfeuerwehrEine Feuerwehr kann nur dann kontinuierlich ihren Einsatz für die Allgemeinheit erbringen, wenn rechtzeitig für den Feuerwehrdienst geworben wird und Nachwuchs herangezogen wird. 1975 wurde daher erstmals eine Jugendfeuerwehrgruppe gegründet, aus der sich seither ein wesentlicher Teil der neuen Feuerwehrdienstleistenden herausbildet.

    Aus der Vielzahl der Feuerwehreinsätze soll beispielhaft als besonderes Ereignis die Tätigkeit während der Orkane im Jahre 1984 herausgehoben werden. Hierbei war die Feuerwehr nicht nur über mehrere Tage im eigenen Gemeindebereich im Einsatz, sondern auch darüber hinaus zur Nachbarschaftshilfe im Bezirkskrankenhaus Haar zur Beseitigung von Sturmschäden tätig.

    Als vergnüglicher Teil der Feuerwehr hat sich die Gründung eines Spielmannszuges im Jahr 1971 gezeigt. Die Mitglieder dieses Spielmannszuges tragen nicht nur zur musikalischen Umrahmung von eigenen Vereinsaktivitäten bei, sondern sind auch bei anderen Feuerwehren gern gesehene Gäste.

    1979 bei der Begründung der 1. Partnerschaft der Gemeinde Unterhaching mit der österreichischen Stadt Bischofshofen, hatte die Feuerwehr bereits nach kurzer Zeit intensiven Kontakt mit der Freiwilligen Feuerwehr Bischofshofen, der über Besuche bis hin zu gemeinsam abgelegten Leistungsprüfungen führte. Diese Verbindung der beiden Feuerwehren besteht noch heute und wird immer wieder durch wechselseitige Ausflüge gelebt.

  • 1985 - 1996

    Mit der Neuwahl des Kommandanten Gerhard Bold sen. am 25.01.1985, nach dem altersbedingten Ausscheiden des Kommandanten Franz Hutterer sen. mit Erreichen des 60. Lebensjahres, trat die erwartete Nachfolge einer bereits bewährten Führungskraft ein, die eine kontinuierliche Fortentwicklung der Feuerwehr sicherte. 

    Mannschaft 1991

    Dass die Aufgaben der Feuerwehr und ihre Einsatztätigkeit andauernd stiegen, ergibt sich deutlich aus der Zahl der geleisteten Einsätze. Waren 1969 noch 28 Einsätze zu bewältigen, so waren 1994, also 25 Jahre später, 38 Brandeinsätze, 28 technische Hilfeleistungen, 39 Ölschäden und 115 sonstige Einsätze erforderlich. VUSowohl im Jahr 1991 als auch im Jahr 1993 wurden die Feuerwehrmänner durch eine große Anzahl von Brandstiftungen an gemeindlichen Wertstoffhäusern gefordert.

    Nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz ist die Feuerwehr eine gemeindliche Einrichtung. Zur Sicherung des Brandschutz steht in Unterhaching die Freiwillige Feuerwehr zur Verfügung. Die Gemeinde hat, wie vorstehend geschildert, der gesicherten Unterbringung und ausreichenden Ausstattung der Feuerwehr immer ein großes Gewicht beigemessen. Es war daher auch problemlos möglich, den berechtigten Wunsch nach einem Ersatz der Löschfahrzeuge in die Tat umzusetzen. Im August 1988 konnte ein neues Löschfahrzeug LF 16 und im Juli 1989 ein Tanklöschfahrzeug TLF 16 in Betrieb genommen werden. Das ausgesonderte Löschfahrzeug wurde der ersten Freiwilligen Feuerwehr Spaniens in Adeje auf der Insel Teneriffa überlassen und per Schiff dorthin überführt. 

    Fahrzeuge 1991Das Tanklöschfahrzeug wurde an die Freiwillige Feuerwehr Sand am Main abgegeben. Im Dezember 1992 folgte dann der Ersatz des Gerätewagens. Der bisherige Gerätewagen Opel Blitz war nach 21 Jahren Dienst ausgesondert worden. Gleichzeitig wurde das alte Transportfahrzeug Hanomag gegen einen neuen Mercedes-LKW mit Hubbühne ausgetauscht. Der Ersatz der Fahrzeuge wurde 1995 mit der Auslieferung eines neuen Drehleiterfahrzeuges fortgesetzt.

    Leistungsprüfung 1995Wie bereits erwähnt war die Feuerwehr schon immer in die Feuerwehr als Gemeindeeinrichtung und in die Feuerwehr als eigenständiger Verein untergliedert, wie es auch im Bayerischen Feuerwehrgesetz geregelt ist. Jedoch bestand in Unterhaching bis zum Jahre 1993 kein „offizieller“ Feuerwehrverein mit Satzung. Deswegen wurde 1994, unter dem Vorstand Jakob Diepold, der Feuerwehrverein Unterhaching mit Einverständnis der Mitglieder zur Satzung, neu gegründet. Die Satzung wurde dabei im wesentlichen an die Mustersatzung für Feuerwehrvereine angepasst.

    Ab Juni 1986 entstand auch eine besondere Verbindung mit unseren spanischen Freunden von der Insel Teneriffa. Da in Spanien Freiwillige Feuerwehren unbekannt waren und der Brandschutz auf der Ferieninsel dringend der Verbesserung bedurfte, hatte sich durch persönliche Bekanntschaft ein Austausch von Freiwilligen der Stadt Adeje und eine Schulung der spanischen Freunde nach den Übungsgrundsätzen der Bayerischen Feuerwehren in Unterhaching ergeben. In der Zwischenzeit wurden diese Grundlagen in das dortige Feuerwehrwesen übernommen und aus der Freundschaft der Feuerwehren hat sich eine Gemeindefreundschaft zwischen Unterhaching und Adeje entwickelt. Auch hier besuchen sich noch heute Abordnungen beider Feuerwehren gegenseitig.

    Vom 8. bis 9. Juli 1995 feierte die Feuerwehr Unterhaching ihr 125 jähriges Bestehen. Diese Feier wurde in einem großen Festzelt und mit viel Aufwand zelebriert.

    Festzelt 1995

  • 1997 - 2014

    Im Januar 1997, nachdem sich der bisherige Kommandant Gerhard Bold sen., aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stellte, wurde Josef Gmeinwieser zum neuen Oberhaupt der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching gewählt. Dieser sollte nun, wie auch schon in den Jahren zuvor geschehen, die Feuerwehr technisch weiterentwickeln und in ein neues Jahrtausend führen.

    Mannschaft_2005Schon in der ersten Sitzung mit seinen Führungskräften, teilte er die Feuerwehr in verschiedene Arbeitsbereiche mit dementsprechenden Verantwortlichen ein. So wurde damals der Grundstein für die heutigen Fachbereiche der Wehr gelegt. In den Jahren entstand zum einen der Fachbereich Atemschutz, den es zwar zuvor schon gab, welcher aber konsequent ausgebaut und verbessert wurde. Deshalb beschaffte man 1997 bereits 35 neue Atemschutzgeräte der Firma Auer, da für die alten Geräte zukünftig keine Ersatzteile mehr lieferbar waren. Mit Voraussicht stellte man hier auch das System, der schweren Stahlflaschen, auf die verbesserte und leichtere Bauweise der Composite-Flaschen um. Ein Meilenstein des technischen Fortschritts war vor allem, die im Jahr 2002 beschaffte und erste Wärmebildkamera der Feuerwehr. Durch diese Technik konnten die Atemschutztrupps ab sofort, einen Innenangriff bei Bränden viel effizienter durchführen, eingeschlossene Personen schneller aufspüren und das Feuer zielgerichteter löschen. Aus diesen Gründen, wurden 2006 und 2012 zwei weitere Wärmebildkameras beschafft. Um das Potential der Wärmebildkameras weiter auszuschöpfen, erweiterte man im Jahr 2003 die Technik mittels einer Funkfernübertragung. Hiermit konnte sich nun auch der Einsatz leiter, von außen, ein Bild der Situation des Angrifftrupps machen und mögliche weitere Maßnahmen früher planen. Im Jahr 2010 wurde dann ebenfalls die eher einfache Atemschutzüberwachung, durch eine Telemetrie-Überwachung ersetzt. Der besondere Vorteil hierbei war, die umfangreichere Überwachung und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen für die eigenen Atemschutzgeräteträger. Die Wichtigkeit dieses Fachbereichs wurde nochmal bestärkt, durch die Anschaffung eines AB-Atemschutz.AB-Umwelt Im Jahr 2014 hat die Feuerwehr Unterhaching ca. 60 Atemschutzgeräteträger und besitzt 46 Atemschutzgeräte. Zudem übernehmen die Gerätewarte die Überprüfung sowie Wartung der eigenen und die der Geräte von anderen Feuerwehren. Des Weiteren bestand schon der Fachbereich Chemikalienschutz. Dieser wurde in den Jahren ebenfalls weiterentwickelt, durch die Anschaffung von neuer Schutzausrüstung, wie z.B. den Austausch der Chemieschutzanzüge oder der Einführung eines ExOx-Meter, mit welchem man Gase messen kann. Darüber hinaus wurde im Jahr 2003 der Fachbereich Strahlenschutz aufgebaut und die nötige Schutzausrüstung mit Messgeräten beschafft. Dieser Fachbereich wurde erforderlich, da sich in Unterhaching an der Hauptstraße ein medizinisches Ärztezentrum niedergelassen hat, welches in einer radiologischen Praxis, atomare Strahler der Gefahrengruppe II einsetzt. Mit der Beschaffung des AB-Umwelt im Jahr 2005, wurde auch der Fachbereich Umweltschutz gegründet. Hier hat ebenfalls ein Quantensprung in der Technik stattgefunden, indem ein kleiner Ölschadenanhänger (ÖSA), durch einen Abrollbehälter mit spezieller Ausrüstung zur Abwehr von mittleren bis größeren Umweltkatastrophen, ersetzt wurde.

    Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte unserer Feuerwehr, ist mit Sicherheit die Einführung eines medizinischen Fachbereichs. So wurde am 01.07.2008 die First Responder Gruppe gegründet. Gründungsgruppe FRDas Konzept des First Responder (zu Deutsch: Erst Antwortender, Erst Eintreffender bzw. Erst Helfender) basiert auf der Erkenntnis, dass es auch in Gebieten mit guter Infrastruktur oftmals bis zu 10 Minuten dauert, bis der Rettungsdienst oder Notarzt am Einsatzort eintrifft. Diese 10 Minuten entscheiden bei schweren Erkrankungen oft über Leben und Tod. Da es zu jener Zeit, im Umfeld der Feuerwehr gleich zweimal in kurzem Abstand zu so einer Situation mit tragischem Ausgang gekommen ist, hat man sich nach reiflicher Überlegung dazu entschieden, diesen zusätzlichen und zeitaufwändigen „Dienst am Bürger“ einzuführen. Seitdem ist die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching, in zwei 12 Stunden Schichten, rund um die Uhr mit mindestens zwei First Respondern besetzt, die im Falle einer Alarmierung an den Einsatzort eilen und dem Patienten helfen. Ziel ist es, die lebensnotwendigen Funktionen wie Bewusstsein, Atmung und Kreislauf bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes so zu erhalten, dass keine schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden zurückbleiben. Um den First Responder-Dienst schnellstmöglich aufnehmen zu können, wurden damals die rund 50 Helfer in einer zehn Tage Vollzeit-Ausbildung vorbereitet. Die speziellen Gerätschaften für diesen Dienst und die beiden Fahrzeuge, konnten dank großzügiger Spenden einiger Firmen ziemlich schnell beschafft werden. Es ist unumstritten, dass die Feuerwehr mit der Einführung des First Responders einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen ersten Hilfe für die Unterhachinger Bürger leistet. Zusätzlich wurde im Jahr 2009 auch das Reanimationsgerät „Lucas 2“ beschafft. Dadurch kann bei einem Patienten mit Herz-Kreislaufstillstand eine automatisierte Thoraxkompression, über einen längeren Zeitraum und mit gleichbleibender Effizienz, durchgeführt werden. Heute machen die Alarmierungen des First Responders fast die Hälfte unserer jährlichen Einsätze aus. Ebenfalls werden in der Feuerwehr seit jener Zeit,  alle gemeindlichen Institutionen und regionale Unternehmen, von einem speziell ausgebildeten Gerätewart, in Erster Hilfe unterwiesen.

    Ab dem Jahr 1997 wurde auch ein neues Fahrzeugkonzept für die Unterhachinger Feuerwehr entwickelt und konsequent umgesetzt. Die wesentlichen Änderungen waren dabei der Verzicht auf den klassischen Rüstwagen und die vom Einsatzspektrum sehr eingeschränkten Tank- und Löschfahrzeuge. Dafür wurden zwei HLFs (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge) mit Druckluftschaumanlage (CAFS, Compressed Air Foam System)  sowie der Aufbau eines Wechselladersystems geplant. Das Ziel war dabei die sehr teure Neuanschaffung des in die Jahre gekommenen Rüstwagens einzusparen und durch das Wechselladersystem, sowie den Umstieg auf zwei HLFs eine in den Anschaffungskosten günstigere und hoch flexible Alternative zu konzipieren. Leider waren zu dieser Zeit solche „Sonderfahrzeuge“ noch nicht in der Feuerwehrnorm berücksichtigt und wurden somit auch nicht vom Staat bezuschusst. Also wurde im Jahr 2000 das erste Fahrzeug in diesem Konzept noch als offizielles Löschgruppenfahrzeug, LF16/12 (40/1) mit technischen Modulen von der Firma Ziegler an uns ausgeliefert. Allerdings war die Richtung bereits deutlich zu erkennen und streng genommen, ist das LF bereits ein HLF gewesen. Taktische FahrzeugeIm Jahr 2002 wurde dann ein echtes Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug der 49/1 beschafft. Ergänzend konnte im gleichen Jahr das erste Wechselladerfahrzeug mit Kran, unser 82/1 in Betrieb genommen werden. Der erste Abrollbehälter dafür, war ein Generator, welcher auf eine alte Mulde der Firma Schallmoser aufgebaut wurde. Um das teilweise unzureichende Hydrantennetz in Unterhaching auszugleichen, wurde im Jahr 2003 zudem ein Abrollbehälter „Löschwasser“ beschafft. Im Jahr 2005 wurde dann der bereits erwähnte AB-Umwelt in Betrieb genommen. Nach der Ausmusterung des Rüstwagens war dessen wesentliche Beladung komplett auf ein LF, HLF und den AB-Umwelt verteilt. In den Jahren 2006 bis 2009 wurden der AB-Atemschutz, AB-Vakuum und ein weiteres Wechselladerfahrzeug, der 82/2 beschafft. Um mit diesem System auch ortsübergreifende Synergien zu schaffen, wurde zusammen mit den Feuerwehren Ottobrunn und Taufkirchen eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Da auch diese Feuerwehren zukünftig auf ein Wechselladersystem setzen wollten, wurde vereinbart die Abrollbehälter nicht doppelt anzuschaffen. Vielmehr hat man sich darauf verständigt, welche Behälter in der Umgebung notwendig sind und welche Feuerwehr diese beschafft. Sodass jede Feuerwehr jederzeit auf die Abrollbehälter der anderen Wehren zugreifen kann. Dies sollte einerseits öffentliche Gelder einsparen und natürlich die Zusammenarbeit unter den Wehren stärken. So können die drei Feuerwehren mittlerweile auf ein sehr umfangreiches Angebot an verschiedensten Abrollbehältern und insgesamt mehrere Wechselladerfahrzeuge zurückgreifen. Mit der im Jahr 2012 vollzogenen Anschaffung des dritten Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs in Unterhaching, dem 48/1, konnte das Fahrzeugkonzept vervollständigt werden. Dieses Fahrzeug ersetzte unser Kleinalarmfahrzeug (KLAF, 61/1), welches an den Bauhof abgegeben wurde. Zu den genannten einsatztaktischen Fahrzeugen, wurden ebenfalls folgende unterstützende Fahrzeuge beschafft. In den Jahren 1997, 2002 und 2009 wurden viermal alte MTWs ausgemustert und durch neuere Mercedes-Benz Sprinter ersetzt, einer davon ist unser heutiges Einsatzleitfahrzeug 11/1. Des Weiteren wurde im Jahr 1999 ein Verkehrsabsicherungsanhänger (VSA) und 2005 ein neuer Kommandowagen (10/1) BMW X5 beschafft. Über die Jahre hat sich dieses Fahrzeugkonzept bestens bewährt und wird auch für die nächsten Jahrzehnte das Fundament für zukünftige Beschaffungen sein. Auch die Feuerwehrnorm ist schließlich diesem Vorbild gefolgt und hat sich den neuen Begebenheiten angepasst. So gibt es mittlerweile neben den klassisch genormten Löschfahrzeugen, auch immer eine Norm für entsprechende Hilfeleistungslöschfahrzeuge. So ist es auch ein Stück weit der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching zu verdanken, dass in die bis dahin seit Jahrzehnten unveränderte und sehr starre Fahrzeugnorm, endlich Bewegung kam.

    Fahrschul-LKWEin weiteres Kunststück gelang unserem Kommandanten im Jahr 2004, als er in Zusammenarbeit mit dem Fahrlehrer Siegfried Pfeffer unsere Feuerwehr Fahrschule für LKWs gründete. Hier wurden Synergien genutzt, um den stark gestiegenen Führerscheinpreisen entgegenzuwirken. Die Ausbildung erfolgt mit unserem 82/1, welcher sich schnell zu einem Fahrschul-LKW umrüsten lässt und einem Anhänger der Firma Schallmoser. Auch hier bildet die Feuerwehr Unterhaching nicht nur eigene Mitglieder aus, sondern auch LKW-Schüler von anderen Feuerwehren oder Gemeinden.

    Das Großprojekt, welches in diesem Zeitraum dringend umgesetzt werden sollte, der Neubau unseres Feuerwehr-Gerätehauses, konnte leider aus finanziellen Gründen von der Gemeinde nicht freigegeben werden. Trotzdem konnten im Laufe der Jahre einige kleinere Umbauten getätigt werden, um die Platznot zu beschränken und nötige Modernisierungen vorzunehmen. So wurde im Jahr 1998 in der Fahrzeughalle eine Ladeerhaltung für die Batterien und Druckluftsysteme der Fahrzeuge eingebaut. Zwei Jahre später erfolgte dann der Einbau eines Lastenaufzugs für Keller und Erdgeschoss, die Automatisierung der Fahrzeughallentore und die Absperrung der beiden Hofausfahrten durch Schranken. 2001 wurde im Dachgeschoss ein großes Verwaltungsbüro mit Dachgauben für den Kommandant und den Vorstand errichtet. Zudem wurde das gesamte Feuerwehrhaus mit einem EDV-System ausgestattet und vernetzt. Im Jahr 2003 konnte im Übungshof eine zusätzliche Unterstellhalle für die Abrollbehälter geschaffen werden und 2004 wurden in der Fahrzeughalle neue, platzsparende Spinde für die Einsatzkleidung verbaut. Ebenso modernisierte die Jugendfeuerwehr ihren Jugendraum im Jahr 2006 in Eigenregie. 2012 wurde dann an der Südseite des Gerätehauses die Fahrzeughalle durch einen Anbau, mit drei weiteren Stellplätzen, vergrößert. Im Jahr 2011 musste bereits, durch die steigende Anzahl von Mitgliedern, das Stüberl an der Ostseite durch einen Wintergarten erweitert werden. Die diesem zum Opfer gefallene Terrasse, bauten einige Feuerwehrler in Eigenregie von 2013 bis 2014 wieder an den Wintergarten an. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen, wurden von 1998 bis 2001ein neuer Funkraum in Eigenregie aufgebaut, ein Fitness-Studio im Dachgeschoss eingerichtet und eine automatisierte Schlauchwaschanlage im Keller eingebaut.

    Im Jahr 2012 wurde zudem die Anfang der 90er Jahre eingeführte Einsatzkleidung ausgemustert und man beschaffte die neueste Generation an Schutzkleidung von der Firma S-Guard. Diese Einsatzkleidung wies nun endlich die gewünschten Vorteile für einen Brandeinsatz und zugleich für THL-Tätigkeiten auf.Einsatzkleidung

    Zu den Einsätzen in diesem Zeitraum ist zu sagen, dass diese wie auch schon in den Jahren zuvor immer vielschichtiger wurden und ein großer Anteil eher auf Seite der technischen Hilfeleistung beruhen, als auf dem Löschen von Bränden. Besonders hervorgehoben werden, soll hier der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching bei der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2005. Hier war unsere Wehr sogar mehrere Tage überregional im Einsatz.

    Des Weiteren wurden vor allem in der Zeit von 2000 bis 2012, meist durch Initiierung von Georg Rehm sen., immer wieder große Sonderübungen durchgeführt, welche für die Feuerwehrangehörigen eine besondere Herausforderung darstellten. Hierzu wurden meist weitläufige Gebäude und Flächen genutzt, wie z.B. im Jahr 2000 Großübung Firma Schneider & Söhne (Kapellenstraße), 2001 Atemschutzübung Firma Unterluggauer (Grünwalder Weg), 2010 Gefahrgutunfall  (Grünwalder Weg), 2011 THL- und MANV-Übung Biberger Straße oder 2012 die Atemschutzübung im Hotel Huber.

    Leistungsprüfung_1998Ein großes Ereignis für die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching stand im Jahr 1998 an, hier traten zum ersten Mal in der Geschichte Frauen in den aktiven Dienst ein. Zwar gab es schon zuvor Frauen in der Wehr, wie z.B. im Spielmannszug oder vor lang vergangener Zeit auch eine Schriftführerin, aber eben noch nie im Einsatzgeschehen. Dies änderte sich als Daniela Artmann (heute: Fritz), Constanze Körner, Anja Rathgeber (heute: Schmid) und Michaela Stein (heute: Catalano), diesen Schritt wagten. Nur 16 Jahre später wurde dann Stefanie Bruckmann, als erste Frau, zur Löschmeisterin in Unterhaching ernannt und somit Führungsdienstgrad in der Wehr.

    Als Kommandant Gmeinwieser die Feuerwehr übernahm, bestand diese aus 124 Mitgliedern und fuhr ca. 260 Einsätze mit einem Aufwand von 1.850 Stunden im Jahr. 2014 zählt die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching 186 Mitglieder und hat ein Einsatzgeschehen von über 700 Einsätzen mit einem Aufwand von ca. 5.500 Stunden im Jahr zu bewältigen.

    Es ist zu erwähnen, dass Gmeinwieser und seine Führungskräfte in den fast zwei Jahrzehnten, die Feuerwehr hervorragend gestaltet und aktiv vorangetrieben haben. So zählt die Freiwillige Feuerwehr Unterhaching heute, zu den größten, hochtechnologisiertesten und am besten ausgebildetsten Feuerwehren im Landkreis München und darüber hinaus. Zudem war Unterhaching in diesen Jahren immer wieder eine Feuerwehr, welche als Vorreiter galt, wenn es um die Einführung moderner Ideen oder neuer Technologien ging.

  • 2015 - Heute

    Von links: Christian Martin, Alexander Beschowetz, Christian Albrecht, Christoph Simon, André von Livonius, Thomas Artmann, Axel FrankAm 16. Januar 2015 wurde in der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching eine neue Führung gewählt, was gleichzeitig einen Generationswechsel zur Folge hatte. Nachdem sich der Kommandant Josef Gmeinwieser, nach 18 Jahren Amtszeit, nicht mehr zur Wiederwahl stellte, wurde Christian Albrecht zum neuen Kommandanten der Feuerwehr gewählt. Auch der stellvertretende Kommandant, der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende traten nicht mehr zur Wahl an. Zum Vorstandsvorsitzenden wurde daraufhin Christoph Simon gewählt. Beide Amtsinhaber sind seitdem, zusammen mit ihren neu gewählten Stellvertretern, für die Führung und Weiterentwicklung der Feuerwehr sowie des Vereins verantwortlich. Obwohl hiermit die jüngste Vorstandschaft, in der Geschichte der Feuerwehr Unterhaching, gewählt wurde, haben alle Amtsinhaber eine überwältigende Stimmenmehrheit von den Mitgliedern erhalten.

    Drehleiter2015Am 15. Oktober 2015 konnte die Feuerwehr Unterhaching eine neue Drehleiter in Dienst stellen. Wie die erste und zweite Generation, setzte die Wehrführung wieder auf ein MAN Fahrgestellt mit Magirus Aufbau. Auch diese Leiter entspricht dem neusten Stand der Technik und ist unter anderem mit einem abknickbaren ersten Leiterteil und einem Viermannkorb ausgestattet.

    Im Juni 2016 konnten zwei neue First Responder Fahrzeuge in Dienst gestellt werden. Bei der Finanzierung zeigte sich der große Erfolg des First Responder Konzepts durch die große Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger sowie den ortsansässigen Firmen Unterhachings. In der fast zwei Jahre lang andauernden Spendenaktion organisiert über die Gemeindestiftung „Lebenswertes Unterhaching“, tatkräftig unterstützt von der Feuerwehr durch zahlreiche Aktionen, konnten so 2/3 der notwendigen Summe für zwei neue Fahrzeuge gesammelt werden. Den Restbetrag übernahm die Gemeinde Unterhaching. Die Erfahrungen der vergangen Jahre führten auch zu einem radikalem Wechsel des Fahrzeugkonzepts. Durch die SUV-Bauweise der Fahrzeuge konnten wichtige Punkte wie Erkennbarkeit im Straßenverkehr, Raumangebot und Winter- als auch Geländetauglichkeit durch deutlich verbessert werden.

    2016 feierte die Feuerwehr Adeje „Bomberos Adeje“ ihr 30 jähriges Bestehen. Die Feuerwehr Unterhaching spielte bei der Entstehung vor dreißig Jahren eine entscheidende Rolle, deswegen waren wir natürlich wie alle fünf Jahre zu den Jubiläumsfeierlichkeiten wieder vor Ort. Der Feuerwehr Unterhaching, als Organisation, wurde hierbei für die über 30 Jahre andauernde Hilfe und sehr gute Kameradschaft zu den spanischen Kameraden mit der Ehrenmedaille in Bronze ausgezeichnet.